Die Europäische Union arbeitet an einem Vorschlag, PFAS aufgrund ihrer schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt zu verbieten. Im Rahmen der REACH-Verordnung ist ein vollständiges Verbot von PFAS für 2025 vorgesehen.
Anhang XVII sieht jedoch eine Ausnahme für PSA (Persönliche Schutzausrüstung) der Klasse III vor, bei der PFAS aufgrund der schützenden Eigenschaften bis 2037 verwendet werden darf. Zur Klasse III zählen die Normen EN13034:2005 + A1:2009, EN11612 und EN61482.
Was ist PFAS?
PFAS steht für poly- und perfluoralkylierte Stoffe – eine Gruppe von menschengemachten Chemikalien, die für ihre wasser-, fett-, schmutz- und chemikalienabweisenden Eigenschaften bekannt sind. PFAS werden häufig in Alltagsprodukten eingesetzt, etwa in Kochgeschirr, Kleidung, Kosmetik, Verpackungen und Löschschäumen.
Besorgniserregend ist, dass PFAS sogar in Lebensmitteln wie Eiern und im Blut von Eisbären in der Arktis nachgewiesen wurden. In Textilien kommen PFAS in Ausrüstungen und Membranen zum Einsatz, z. B. in Fluorcarbon-Finishes und EPTFE-Membranen, um Wasser-, Öl- und Chemikalienabweisung zu verbessern.
Aber ist es wirklich notwendig, von diesen „ewigen Chemikalien“ abhängig zu bleiben?
Zurück zum Ursprung
Das Prinzip der Flüssigkeitsabweisung basiert auf der Oberflächenspannung. Diese ergibt sich aus der Tendenz von Molekülen innerhalb eines Stoffes, sich gegenseitig anzuziehen, anstatt sich an eine andere Oberfläche zu binden. Ein bekanntes Beispiel ist, dass sich Öl und Wasser nicht mischen – aufgrund ihrer unterschiedlichen Spannungen.
Abweisende Ausrüstungen erhöhen die Oberflächenspannung des Gewebes, wodurch es widerstandsfähiger gegen Flüssigkeiten wird. Jede Flüssigkeit besitzt eine messbare Oberflächenspannung, angegeben in mN/m. So hat Wasser eine Oberflächenspannung von 72 mN/m, während Olivenöl bei etwa 32 mN/m liegt.
Diese Werte helfen dabei, den benötigten Abweisungsgrad eines Gewebes einzuschätzen. Nachfolgend eine Skala der gängigsten Flüssigkeiten zur Abschätzung des Abweisungsbedarfs.

PFAS und Oberflächenspannung
Eine Fluorcarbon-Ausrüstung erhöht die Oberflächenspannung des Gewebes und damit die Abweisung gegenüber Wasser, Öl und Chemikalien. Bis heute ist keine andere chemische Substanz bekannt, die dieselbe Oberflächenspannung erzeugen kann.
Doch das ist eine Schwarz-Weiß-Denkweise. An diesem Punkt muss zwischen Wasser und Öl sowie den darauf basierenden Chemikalien unterschieden werden. Wie in der Skala unten zu sehen ist, hat Wasser eine deutlich höhere Oberflächenspannung – daher ist für Wasser PFAS nicht erforderlich. Bei Öl und somit auch bei ölbasierenden Chemikalien mit geringerer Oberflächenspannung sind PFAS hingegen notwendig.
Die Feinheit liegt im Detail
Bist du also vollständig geschützt? Die PFAS-freie Lösung, die C0-Ausrüstung, bietet ebenfalls eine gute Wasserabweisung und damit Schutz gegen wasserbasierte Chemikalien.
Eines vorweg: Die EN13034 verwendet eine Testmethode (den Gutter-Test), die auf Flüssigkeitstropfen basiert – 10 ml über einen Zeitraum von 10 Sekunden (in einem Winkel von 45 Grad). Zur Veranschaulichung: Das entspricht etwa zwei Teelöffeln Flüssigkeit.
Diese Norm definiert einen minimalen Schutz gegen Chemikalien. Eine PFAS-freie Lösung erfüllt diesen Mindestschutz ebenfalls bei wasserbasierten Chemikalien, wie es die EN13034 vorsieht.

Nach vorn blicken
Um die HAVEP-Position zu PFAS zu verdeutlichen, wird eine Unterscheidung zwischen wasser- und ölgetragenen Chemikalien getroffen – benannt als Klasse 1 und Klasse 2.
Bezüglich der Neuentwicklungen (NPD): Alle Kleidungsstücke, die nicht EN13034-zertifiziert sind und keine Abweisung von Öl oder ölbasierenden Chemikalien benötigen, werden auf PFAS-freie Ausrüstungen umgestellt.
Bei PSA-Kleidung der Klasse III stellt sich die Frage, ob eine Ölbeständigkeit erforderlich ist. Auch wenn Nachhaltigkeit von großer Bedeutung ist – Sicherheit steht immer an erster Stelle.
Zurück zum Kunden
Die Entscheidung, PFAS zu verwenden, ist keine Schwarz-Weiß-Frage – sie hängt von den Bedürfnissen des Kunden und den Chemikalien ab, mit denen gearbeitet wird. Wenn diese Anforderungen klar sind, lässt sich das passende Kleidungsstück und das richtige Schutzniveau gezielt auswählen.
Du bist dir nicht sicher, was dein Kunde braucht? Lass es uns gemeinsam herausfinden!
Produkt | Chemische Formel | Oberflächenspannung (mN/m) |
---|---|---|
Pentan | C₅H₁₂ | 16,0 |
n-Hexan | C₆H₁₄ | 18,4 |
n-Heptan | C₇H₁₆ | 20,1 |
Oktan | C₈H₁₈ | 21,8 |
Isopropylalkohol 70 % | (CH₃)₂CHOH | 22,0 |
Methanol | CH₃OH | 22,6 |
Ethanol | C₂H₆O | 22,3 |
Aceton | C₃H₆O | 23,7 |
n-Butanol (Klasse 2) | C₄H₁₀O | 24,6 |
Diesel | — | 25,0 |
n-Hexadecan | C₁₆H₃₄ | 27,5 |
2-Ethoxyethanol | C₄H₁₀O₂ | 28,2 |
Benzol | C₆H₆ | 28,2 |
Diethylenglykol | C₄H₁₀O₃ | 30,1 |
o-Xylol | C₈H₁₀ | 30,6 |
Toluol | C₇H₈ | 28,5 |
Tetradecan | C₁₄H₃₀ | 30,8 |
Olivenöl | — | 32,0 |
Cyclohexanol | C₆H₁₁OH | 32,9 |
Essigsäure 90 % | HAc | 41,0 |
Essigsäure 50 % | HAc | 48,1 |
Isopropylalkohol 15 % | (CH₃)₂CHOH | 48,2 |
Schwefelsäure 30 % | H₂SO₄ | 55,0 |
Blut | — | 55,9 |
Essigsäure 20 % | HAc | 58,5 |
Salzsäure 45 % | HCl | 60,9 |
Salpetersäure 50 % | HNO₃ | 61,0 |
Glycerin | C₃H₈O₃ | 63,0 |
Schwefelsäure 96 % | H₂SO₄ | 63,0 |
Salzsäure 25 % | HCl | 65,8 |
Wasser | H₂O | 72,8 |
Natronlauge 10 % | NaOH | 75,0 |
Natronlauge 50 % | NaOH | 85,0 |
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